15
Okt
2009
14
Okt
2009
Zitate für Genießer #1
Trotzdem sah K. ein Weilchen lang zur Tür hin, hinter der die Mädchen jetzt still auf den Stufen saßen. Nur eines hatte einen Strohhalm durch eine Ritze zwischen den Balken gesteckt und führte ihn langsam auf und ab.
Franz Kafka, Der Prozeß, S. 156f.
9
Okt
2009
8
Okt
2009
Wirkt!
6
Okt
2009
1
Okt
2009
Shirt Message Service
27
Sep
2009
21
Sep
2009
Soziologie des Bloggens (XIIVX)
Blogger sind entweder verheiratet oder geschieden. Ich bin die ledigste Bloggerin der Welt.
(Liebe bloggende Ehemänner, nehmt bitte aus Rücksicht das nächste Mal Eure Eheringe ab. Danke. Ein Mann mit Ehering stimmt mich traurig. Grundsätzlich übrigens. Sowieso hasse ich Eheringe. Ihr Tragen sollte im öffentlichen Raum verboten werden. Ein schlimmeres Zeichen der Ausgrenzung gibt es gar nicht. Auch könnte ich meinen Mann mit Ehering nicht begehren. Ich müsste ihn vor Erledigung der ehelichen Pflichten stets bitten, den Ring abzulegen. Bisschen plemplem*, ich weiß.)
*Ansonsten bin ich aber unkompliziert. Und zärtlich.
20
Sep
2009
"Immer wenn ich Dich sehe, muss ich an Schutzgeld denken"

Mir gehts nämlich wie dem Herrn Schneck: "Deshalb kann ich heute auch irgendwie nicht schreiben."
Es sind so Abende wie keine anderen, wenn die unvergleichliche Frau von Welt, der fulminante Erdge Schoss, der talentierte MC Winkel, der philantropische Taubenvergrämer und der mysteriöse Herr Grob gemeinsam auf einer Bühne einheizen und die famose Kombo Viktor Vaudeville & Les3Roberts hernach den Saal zum Schwoofen bringt.
Und wenn man mit zwei der Lieblings-Verrückten, Schneck und Dr. Schein, ein ums andere Staropramen trinkt, Zigarettchen schmaucht, Herzeleid teilt und immer wieder loslacht. Und wenn man dann loszieht und Pizza Napoli isst, zurückkommt und Balkan-Beats aus den Boxen dröhnen und ein echter Mafiosi mit am Tisch sitzt (siehe obiges Zitat Schneck zu Erdge Schoss.)
Viel Prominenz war auch da, u.a. der berüchtigte Bein-
Lieber Schneck, lieber Dr. Schein: Frühstück im Circus Lemke ist wirklich der Beginn einer wunderbaren Tradition...:-)
19
Sep
2009
Liebe A*l-Q*a*i*d*a,
Auch ich finde die westliche Welt und ihr sog. Wertesystem, also den Banker-Kapitalismus, mit jedem Tag beschissener, aber by the way: Mit eurem kann ich ebenso wenig anfangen. Ich bin ja neuerdings für Zen. Und immer schon für Landwirtschaft, da hat man genug zu tun und kommt nicht auf blöde Gedanken.
So, um nicht länger um die heiße Falafel rumzureden: Sollte es nach dem 27. September zu einer schwarz-gelben-Regierung kommen, so würde ich zwar nicht soweit gehen, mit euch zu solidarisieren, aber immerhin gehe ich dann mit eurer Sauertöpfigkeit in puncto Afghanistan d'accord. Nur eine Bitte hätte ich: Wenn ihr mal soviel Ehre in euren schönen arabischen Leibern aktivieren könntet, um nicht wahllos in der Gegend rumzubomben, sondern um endlich einmal gezielter vorzugehen! Das kann doch nicht so schwierig sein. Eine Liste mit Todeskandidaten findet ihr übrigens hier.
Nix für ungut.
As salamu-aleikum,
Anousch aus Neukölln
17
Sep
2009
Post aus Jalta

Oh, wie ich gerade in meinem Dopplr-Account lese, bin ich zur Zeit in Jalta.
Ich mache hier ein wenig Kur im Sanatorium "Pogranichnik". Zum Frühstück genieße ich Wachteleier mit Kaviar, streife anschließend ein Stündchen am Strand entlang und schicke auf ukrainisch Wünsche ans Universum. Nachmittags lese ich einige Seiten Tolstoi, kippe den servierten Sekt regelmäßig in die Rabatten und ziehe abends mit einem Trupp Krimtataren um die neoklassizistischen Paläste.
Ich werde mir noch das "Schwalbennest" angucken, die Mauern von Sudak besuchen und den Ej-Petri (1300 m!) erklimmen. Und wie ich sehe, geht es ja dann bereits weiter nach Samarkand.
Allein reisen.
16
Sep
2009
14
Sep
2009
12
Sep
2009
Falunrot
Dann sitzt man am Bahnhof von Puttgarden, allein, inmitten von Möwengekreisch, Taubengegurre und Hasengehoppel. Ein paar Tränen rinnen noch und spülen die restlichen Bröckchen Mascara mit, das, was nicht bereits an den Innenseiten der Sonnenbrillengläser klebt. So endet ein wunderschöner Sommer.
Hinter dem Windpark ist das Meer, aber das Meer ist mir im Moment ziemlich egal. Der Bahnhof von Puttgarden erinnert mich ein bisschen an den Bahnhof von Subotica, nur dass in Subotica mehr los ist und nicht so viele Gleise zwischen Gräsern und Unkraut verschwinden.
Der ICE schlängelt sich aus dem dicken Bauch der Fähre. Ich nehme gegenüber einem älteren Ehepaar aus Hamburg Platz, wir tauschen uns über die Unbequemlichkeiten des ICEs aus, ich erzähle auf Nachfrage, dass ich aus Stockholm komme, heute schon seit 11 Stunden unterwegs bin mit Auto, Fähre und nun Zug und bemerke einige Augenblicke später, dass ich gar nicht zurückgefragt habe, wo die beiden ihren Urlaub verbracht haben. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit verspüre ich Neigung mich mit Fremden zu unterhalten, bin aber etwas ausgelaugt. Ich möchte unbedingt meine Kontaktlinsen spülen, bräuchte etwas zu essen, etwas richtiges zu essen und zu trinken, habe aber lediglich Schokokekse und eine Dose schwedisches Leichtbier dabei. Ich käme mir jetzt allerdings etwas primitiv vor, vor diesem distingierten Pärchen eine Büchse Bier zu öffnen. Also nuckel ich die restlichen Schlückchen Wasser und betrachte meinen leeren Magen als Exerzitium. So wie die ganze Situation.
Es ist der 11. September 2009, 18.42. Nicht dass die Welt vor 24 Stunden mehr in Ordnung gewesen wäre als jetzt. Nur ein bisschen vielleicht. Ich war sehr fröhlich, schlenderte über die Götgatan und war in einem seltenen Zustand des Einklangs mit mir und der Welt. Ich sagte etwas eigentlich Schönes, denn es kommt nicht allzu oft vor, dass ich mich affirmativ über Menschen in Fußgängerzonen äußere. Ich erhalte ein Widerwort. Ein gewichtiges Argument. Ich ringe um Fassung. Schnitt. Aus. -
In Lübeck steigt ein hanseatischer Großkotz ein und erzählt dem Schaffner, seinen Tischpartnern und der ganzen Welt, dass er heute schon von Bremen nach Bergamo und zurückgeflogen sei. Bergamo - das hört sich schön an, verheißungsvoll; nur weiß ich gerade nicht, ob das in der Schweiz oder Oberitalien liegt. Na jedenfalls in dieser Ecke, da bin ich mir sicher. Angesichts dieses großspurigen Laberns, der imperialen Gesten und des zuhälterhaften Solariumchics schaltet mein innerer Ossi auf Abwehr. Da lobe ich mir einen naiv-sächselnden Sachsen.
In Hamburg habe ich eine Stunde Aufenthalt, kaufe mir eine Mini-Pizza und endlich den dritten Band der Stieg-Larsson-Trilogie.
Beim Platz-suchen im ICE nach Berlin begehe ich den großen Fehler und höre nicht auf meine innere Stimme, gebe den Affekt nicht nach, mich anderswo hinzusetzen. Ich merke sofort, dass mir der Typ hinter mir gewaltig auf die Nerven gehen wird. Er telefoniert lautstark über sein verfucktes Leben. Ich blicke mich wutentbrannt um, bei Handy-Leuten, die diese intime Grenze nicht mehr spüren ist konfrontationslose Kommunikation eh hoffnungslos. Ein Mann kommt und beansprucht den Platz des Typen für sich, er zeigt ihm sogar sein Platzreservierung, doch das Arschloch tut so, als wolle er nicht kapieren, dass es diese Form der Spontanreservierung gibt. Er wird erst pampig, dann aggressiv und droht dem rechtlichen Platzinhaber mit Schlägen. Mir reichts, ich stehe auf und drohe ihm, jetzt die Polizei zu rufen. Daraufhin haut er mir Beschimpfungen um die Ohren, nimmt aber wenigstens seine Sachen und macht sich vom Acker, allerdings nicht ohne mir noch etwas Demütigendes hinterher zu rufen. Ich spüre, dass ich jetzt die Kraft und Wut habe, ihm einen Kick an die Kehle zu versetzen, zwinge mich aber, mir zu vergegenwärtigen, dass Gewaltanwendung nicht mit meiner beruflichen Neuorientierung zu vereinbaren ist. Immerhin könnte ich ihn danach erstversorgen.
Also lasse ich ihn ziehen und lese weiter in meinem Buch, es heißt "Vergebung". Vielleicht liebe ich deswegen Lisbeth Salander so sehr, diese anorektische Rächerin, weil sie mit ihren 1,50 m alle perversen Frauenhasser fertig macht.
Mir perlen erneut ein paar Tränen die Wangen herab, aber ich schaffe es tatsächlich mich sofort zu beruhigen. Tränen müssen sich lohnen. Andererseits war das die zweite Beleidigung mein Aussehen betreffend innerhalb von 27 Stunden.
Tief in der Nacht steige ich am Ostbahnhof aus. Berlin ist dreckig und prollig. Ich denke an Stockholm. Wenn meine Familie mitzöge, würde ich auswandern. Erst als ich in Rixdorf ankomme, fühle ich mich ein wenig versöhnt.
In Schweden sagt man att åka till landet - aufs Land fahren und meint damit, dass etwas am Häuschen repariert werden muss. Ich habe viele Defizite, aber mit Werkzeug kann ich gut umgehen. Und hoffentlich auch mit Waffen, denn ich bin ja allein in meinem falunroten Cottage.
Angst habe ich keine. Nur manchmal Sehnsucht, vielleicht.
Comments off









