20
Feb
2009

Sehnsucht

Der nieselnde Schnee schmilzt auf den lidschattenbestäubten Augen, entfärbt die getuschten Wimpern, löst das Rouge von den Wangen. Wann immer ich bei diesem Wetter in Schaufenster und Spiegel blicke, sehe ich ein blasseres, jüngeres, unauffälligeres Gesicht. Ich denke heimlich: Vielleicht werde ich jetzt ein wenig so wie alle anderen. Vielleicht macht mich das Ausbrechen aus der Isolation, die allmähliche Heilung etwas gewöhnlicher. Vielleicht bin ich nun da, wo ich nie hinwollte. Aber ganz bestimmt geht es mir besser damit.

Während ich darüber nachdenke, bekomme ich Lust den Abend mit T.C. Boyle oder A.L. Kennedy zu verbringen. Vorfreudig stapfe ich durch tiefen Schnee zu dem kleinen Buchladen in der Akazienstraße - und stehe vor gerade verschlossener Tür. Eine sekundenkurze Enttäuschung, aber andererseits brauche ich nun meinen mp3-Player nicht auszuschalten, wo mir gerade die kämpferische Alkoholikerinnenstimme von Cerys Matthews so wunderbar ins Ohr grölt. Habe ich neulich wieder vorgekramt, mein Lieblingsalbum von 2001 und mein persönlicher 9/11-Soundtrack.

Gerade als ich die Lautstärke weiter hochregle, sehe ich ihn im Augenwinkel, sofort setzt der Fluchtreflex ein - zu spät. Er hat mich entdeckt und ich tue das einzig menschliche: Ich grüße den Ober-Psycho aus meinem Haus voller Psychos. (By the way, aus dem Umzug wird vorerst nichts.) Schwerer Paranoiker, aber nicht ohne Liebenswürdigkeit. Leider ist er zu anhänglich, sobald man sich auf ein Gespräch einlässt, kann mein seine Planung erstmal um Stunden nach hinten verschieben. Ich frage:
"Hey, wie gehts?"
"Ich bin froh, dass ich noch lebe."
"Ich auch. Was ist bei Dir der Grund?"
"Not-OP. Sie haben mir die Milz rausgenommen. Viermal haben sie mir den Bauch aufgeschnitten in den letzten Wochen, bis sie kapierten, das das Scheiß-Ding voll vereitert war."
"Oh-ha!"
"Ja, ich werde die verklagen, die haben mir einfach nicht geglaubt, dass es mir schlecht ging."
Na toll, denke ich, ich bin gerade dabei Vertrauen in die Diagnosen der Ärzte zu gewinnen! Ich höre ihm geduldig zu, als er mir die Einzelheiten der OP erzählt und seine vielen Schnitte vom Schambein bis zur Brust beschreibt. Da entdecke ich auf seinem Anorak einen Hertha-BSC-Aufnäher. Aus Mitleid wird plötzlich Rührung. Immer wenn ein Mensch auf seinem geschundenen Leib Bekenntnisse zum Fußball trägt, ergreift mich das. Ja, mein Bruder, es gibt eine Sehnsucht, die trägt weiter als das Elend hinieden. Ich sage ihm noch - was stimmt - dass er trotzallem ziemlich gut aussieht, und dass er auf sich aufpassen soll. Dann verabschiede ich mich.

Mir fällt ein, dass der Chauffeur Karten für das Spiel Hertha gegen Leverkusen hat, und für morgen Abend welche für die Philharmonie. Leider spielt ausgerechnet morgen Bremen in Cottbus.

Das Leben ist so hart und dann kann man nicht mal alles haben!

13
Feb
2009

Brand New Contemporary Most Finest Art (#1)

Untitled (Escapism at noon)

Untitled (Escapism at noon)

1024 x 675 cm

C-print

The Unread Archives © Anousch O.

2.400 €

11
Feb
2009

Deutschland - Norwegen (Live und in Farbe)

1. Min: Es geht los.
2. Min: Ecke Norwegen
Gomez im Abseits
3. Min: Trochowski ballert drauflos und dran vorbei
4. Min: Große Gelassenheit auf beiden Seiten
Norwegen mit 10 Mann in der eigenen Hälfte
9. Min: Gomez macht kurz Action
Ballack versuchts aus ca. 20 m
Ecke Deutschland
10. Min: Hui, wieder Gomez, Ball segelt am oberen Pfosten vorbei
13. Min: Hoppla
14. Min: Adler macht den Kahn vom Finale 2002
16. Gomez' Wet-Look-Frisur sitzt noch
Übrigens: ERFURT-Rauhfaser kommt nicht aus meiner Heimatstadt!
20. Min: Norwegische Attacke an der Strafraumgrenze, Schiri siehts wohl nicht
22. Min: Torschuss Norwegen aus sehr kurzer Distanz, Adler pariert
24: Bedenklich viele norwegische Torschüsse jetzt
27 Min: Mmm
28. Min: Schön!
29. Min: Noch schöner!
33. Min: Also die Norweger machen das bis jetzt ganz gut! Betonieren halt, aber nach vorn geht ja manchmal was.
38. Min: Für Ballacks Verhältnisse macht der heute mal richtig was los. Fruchtet bloß nicht.
41. Min: Tim Wiese im Bild - mein absoluter Lieblingsprolltorwart!
44. Min: Ballacks Kopfball jagt übers Tor hinweg
45. Min: Halbzeitpause, keine Sekunde Verlängerung, wofür auch!
Günther Netzer bringt es auf den Punkt: "Kultiviert kombiniert", aber das reicht nicht. weiter>>>

9
Feb
2009

Yeah!

Ich habe eine g e n i a l e Idee. Jetzt muss es nur noch klappen!

Schoss mir vorhin im Bus durch die Denkkammer. Und ich bin jetzt noch nicht mal richtig zur Tür rein, aber ich wollte, dass Ihr die ersten seid, die es erfahrt.

8
Feb
2009

Zeige deine Wunde*

Verblüfft nahm ich beim gestrigen Kampf Chagaev v.s. Drumond zur Kenntnis, dass man den ehrenvollen Job des Cutmans lediglich als Hobby ausübt. Man braucht keine spezielle Ausbildung dafür und schon gar kein Arzt-Examen. Da fing es in meinem Köpfchen an zu rotieren. Seit längerem durchhuscht mich ab und an der Wunsch, einen Heilberuf zu erlernen. Das Schöne hierbei wäre die denkbar größte Praxis-Nähe, ich müsste nur öfters dort sein, wohin ich sowieso wieder will: ins Gym, auch um das eigene Training wieder aufzunehmen. Dann gälte es zuzugucken; durch Anschauung die Komplexität der Wunde zu begreifen und ein Gespür dafür zu entwickeln, mit wieviel Druck die Verletzung behandelt werden sollte. Man muss den Riss lesen können.

Und dann stünde man eines Tages am Ring als Cut-Woman, bewaffent mit Gummihandschuhen, Adrenalinlösung, Vaseline, Wattestäbchen, Eis, Bandagen und Tapes und würde angesichts des Blutsturzes am Augenlid dem tapferen Kämpfer, der tapferen Kämpferin ruhig zureden: 'Is' nur halb so schlimm. Das kriegen wir hin.'



*

3
Feb
2009

Keywords to my Heart

Das lustigste an meinem gegenwärtigen Leben sind die Wege zu mir:

Keywords_1 Key-Words _ 2 Keywords_3

Please click!

24
Jan
2009

Nonpareille II

Einen Abend und einen Tag lang war das kleine Glück zum Greifen nah. Es hat alles gestimmt. Sogar der Himmel war blau.

***
(Merke: Es kann Dir auch gut gehen!)

* * *
Von der Tatsache, dass ich endlich einen Job habe, zeigt sich der Mandelkern ziemlich unbeeindruckt. Zickt ganz schön rum. Ich aber glaube inzwischen, dass das ganze Elend von der Nase kommt. Bei der irrsinnig schlechten Büroluft machen die Muscheln einfach dicht und zack - Panik!
Vielleicht wäre ich besser als in der Psychiatrie in der Rhinologie aufgehoben. Ich mach da mal einen Termin klar.

* * *
Sich auf das vierte und fünfte Lebensjahrzehnt freuen. Und darüber hinaus. Das Alter wird meine große Zeit.

***
Denn: "Trotzdem lautet die gute Nachricht: Eines Tages geht es Ihnen besser, selbst wenn sämtliche Therapien versagen."

Borwin Bandelow

21
Jan
2009

18
Jan
2009

Menschenskindl!

Kindl_1 Kindl_2 Kindl_3

[Gestern in Kreuzkölln.]

14
Jan
2009

Die junge Fabrikantin

Tag drei schon. Auf Arbeit. Nach fast zwei Jahren ArbeitenVegetieren am häuslichen Schreibtisch. Morgen für morgen reihe ich mich nun ein in die Kolonnen, die gen Backfabrik im Proletarierstadtteil Prenzlauer Berg ziehen.
Frauen mit im Nacken geknoteten Kopftüchern, Männer mit ins Gesicht gezogenen Arbeitermützen - so stehen wir in der Schlange vor der Stempeluhr. Und das Gegacker und Geplaudere wird sanft untermalt vom Klappern der Aluminium-Brotbüchsen in den Dederon-Beuteln.
Noch mache ich nur ein entlohntes Fabrikum, aber bald schon werde ich die RechenMaschinen eigenhändig in Gang setzen.

Ich habe Mehlstaub im Haar.

11
Jan
2009

10
Jan
2009

Perlen akademischer Prosa (II)

Aus aktuell-meteorologischem Anlass.

Mag (August 2007)

6
Jan
2009

5
Jan
2009

Pommern

Vereinzelt gibt es noch alte, backsteinrote Gehöfte und auf den Straßenschildern wird noch auf Fuhrwerke hingewiesen. Doch im Großen und Ganzen eignet sich Pommern kaum zu einer Reise ins Imaginäre wie es noch 2004 in Masuren möglich war. Zwar gab es auch dort die neumodischen Trutzburgen mit ihren fetten antikisierende Säulen, eingehegt von verkitscht-gigantomanischen Zäunen, aber dennoch war die Idealisierung zu 'Mazurika' eine Liebeserklärung, in der mein amerikanischer Traum von Prärie mitschwang.
Wenn Pommern nun zu 'Pomerika' wird, schwingt da weniger Nachsicht mit der amimäßigen Zersiedelung und Vergroßplakatierung der Landschaft mit. Aber ich möchte mich nicht darüber erheben, ich habe nicht mal Fotos vom Design-Jammer des neuen Wohlstands gemacht. Diesem geschunden Volk geht es so gut wie noch nie in seiner Geschichte und ohnehin gibt es weltweit nur eine einzige Ethnie mit Stil und Geschmack: die Skandinavier.

Was bleibt, ist die Befriedigung östlicher Gelüste mit Barszcz und Bigos, Żurek, Żywiec und Żubrówka.

Polonica Polonica3 Polonica 4 Polonica2 Polonica 5 (Die Swinemünde) Polonica 6(Fort Gerharda in Swinemünde) Polonica 8 Polonica 7 (Das Haff) Polonica 7 (Klippe) Gewonnen!
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Terra Euphorica

Das Frühwerk

(*)

Nach Ithaka heimzukehren, dabei ist es geblieben, erfordert und verlohnt den weitesten Umweg. Hans Blumenberg

___Zwitschern___

___Fundgrube___

 

___Landrecht___

Hier gilt Urheberrecht. Beschwerde- oder Fanpost ist zu richten an: anja.odra bei web.de.

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Online seit 6838 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Mär, 12:12

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___After Work___

* * *

You are The Empress

Beauty, happiness, pleasure, success, luxury, dissipation.

The Empress is associated with Venus, the feminine planet, so it represents, beauty, charm, pleasure, luxury, and delight. You may be good at home decorating, art or anything to do with making things beautiful.

The Empress is a creator, be it creation of life, of romance, of art or business. While the Magician is the primal spark, the idea made real, and the High Priestess is the one who gives the idea a form, the Empress is the womb where it gestates and grows till it is ready to be born. This is why her symbol is Venus, goddess of beautiful things as well as love. Even so, the Empress is more Demeter, goddess of abundance, then sensual Venus. She is the giver of Earthly gifts, yet at the same time, she can, in anger withhold, as Demeter did when her daughter, Persephone, was kidnapped. In fury and grief, she kept the Earth barren till her child was returned to her.

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