Eigentlich wollte ich gestern Abend nicht mehr das Haus verlassen, nachdem ich den Vollstreckungsbescheid aus dem Briefkasten gefischt hatte. Leider hat sich die Bundesagentur für Arbeit auf meinen konstruktiven Deal, das Betriebskostenplus vom vergangenen Jahr dann zurückzuzahlen, wenn ich dereinst einen
bezahlten Job habe, nicht eingelassen. Anstatt jedoch auf das Schreiben zu antworten, droht sie nun gleich mit Bombenkrieg und jagt mir das Hauptzollamt Berlin im Namen der Sachbearbeiter Küchler/Draht/Uhlmann auf den Hals. Sie kündigen an, ohne Ankündigung:
- bei meinem Arbeitgeber den pfändbaren Teil meines Arbeitseinkommens zu pfänden (vergebene Liebesmüh)
- bei meiner Bank das Konto zu pfänden (ibid.)
- mir gehörende bewegliche Sachen, z.B. Kraftfahrzeug, Geräte der Unterhaltungselektronik pfänden zu lassen (habe nicht mal einen Führerschein, aber eine Kamera. Oh, Schreck!)
Ich war also geknickt. Doch Mama hat telefonisch getröstet. Das kriegen wir schon hin. *Danke, Kuss.*
Ich würde es ja aus rein anthropologischem Interesse darauf an kommen lassen. Wobei ich nicht glaube, dass die Vollstrecker tatsächlich hier aufkreuzen. Der Einsatz würde dem
deutschen Steuerzahler weitaus mehr kosten, als das Theater wert ist. Aber am Ende tragen sie doch was aus meiner Wohnung raus und dann verliere ich bestimmt die Nerven und irgendwo liegt noch ein Revolver hier rum. Außerdem würde es mir um die Vollstreckungsbeamten hinterher leid tun. Vielleicht wäre der gute Mensch dabei, der kürzlich dem Dichter
ANH einen Besuch abgestattet hat.
Mama war es schließlich auch, die mich ermunterte, doch noch etwas zu unternehmen. Kind, du musst raus gehen. Also zog ich mit Freundin J. und dem kleinen Kobold Angst, meinen unerwünschten Dauerbegleiter, ins
Löwenpalais. Schon während der Rheingold-Performance, allerspätestens aber als Two Men in
Black aufspielten, war der Kobold verschwunden. (Jetzt kauert er zwar wieder neben mir, aber er sieht ein wenig fahl aus, vermutlich ahnt er, dass ihm demnächst mit einer psychopharmakologischen Kur der Garaus bereitet wird.)
Und solange es noch nächtliche Heiratsanträge gibt...
Der Rest ist Schweigen.
Auf dem Heimweg mit J. im
Renger-Patzsch vorbeigeschaut. Cremant aufs Haus. Ich hasse alles, was perlt (und alles was qualmt und pudert). Für mich um diese Tageszeit bitte immer und ausschließlich Whisky. Danke.