17
Okt
2008

Licht und Laub dieses Tages

Anousch nach dem morgendlichen Jogging die Treppen hochspringend.
Begegnet dem Chefarzt, dieser erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden:

"Wie geht es Ihnen?"
"Gut."
"War es also die richtige Entscheidung?"
"Ja, goldrichtig. So goldrichtig wie dieser Tag."
"Schön."
Pause. Chefarzt weiter:
"Ein schönes Wochenende!"
"Danke! Das wünsche ich Ihnen auch."

Gold_1 Gold_2 Gold_3

14
Okt
2008

Melencolia II

Anousch_14.10.08

Selbstportrait (Melencolia II)

799 x 800 cm

The Lyrical Archives

Baryt-Abzug 02/08

1.400 €


 

13
Okt
2008

On LYRICA II

Allzugerne würde ich jetzt die Kommentare kommentieren, aber um 13.00 Uhr setzt sich ein kleiner Tross Angstgestörter mit unserer sehr sehr guten Verhaltenstherapeutin in Gang, um mit der Straßenbahnlinie 3 vom Klinikum bis zur Endstation 'Urbicher Kreuz' zu fahren, dort eine Weile zu warten und mit der nächsten Bahn retour. Das nennt man 'Soziales Gruppentraining'. Einige sind schon den ganzen Tag über nervös deswegen, weil Straßenbahnfahren für sie zum Schlimmsten gehört. Die Schwestern kommen mit dem Verteilen von Beruhigungstabletten kaum hinterher. Ich bin ziemlich gelassen (und heute sowieso gut drauf), weil es bei mir egal ist, wo ich bin und was ich tue. Der Kobold ist da - oder auch nicht. Meine Prothazin habe ich immer dabei, aber noch nie genommen.

Die Sonne glüht herbstlich in mein wunderbares Anstaltszimmer.


Bis später!

12
Okt
2008

Flug übers Kuckucksnest (On LYRICA)

Anousch ist wieder da (im Netz), aber noch immer hier (im Auffanglager).

Die zwei besten Dinge vorweg: Es geht mir gut. Und: Ich bin endlich im Besitz eines Notebooks. Und noch endlicher im Besitz eines UMTS-Sticks. Denn leider ist der Psychiatrie-Neubau das einzige Gebäude des Klinikums, das noch über keinen Patienten-Internet-Zugang verfügt. Ich drohte mit Verzweiflung und Depression und da hat mein Psychiater die Notwendigkeit eines Patienten-Netzes erkannt und kümmert sich. Aber solange kann ich nicht warten und so habe ich mir für viele Euros den O2 Loop Surf Stick gekauft. Eigentlich hat mich die Internet-Abstinenz mehr gequält als mein Leiden, das nach Meinung der Ärzte schon erheblich genug ist. (Doktor beim Aufnahmegespräch: "Puuuuuhhhh. Es gibt viel zu tun, aber wir können Sie heilen." - Anousch: "Heilung ist zu viel verlangt. Alles was ich will ist Linderung.")
Und die spüre ich zuweilen.

Ich bekomme ein Medikament mit dem wirklich wunderschönen und einfach unglaublichen Namen LYRICA. Es ist kein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, worüber ich anfangs ein wenig enttäuscht war, denn so ein Antidepressivum adelt ja auch in gewisser Weise. LYRICA ist als Schmerz- und Epilepsiemittel entwickelt worden, aber es hat sich herausgestellt, dass es auch bei Angst-und Panikstörungen hilft, weil es irgendwie den Hirnstoffwechsel reguliert. Außerdem ist es vergleichsweise nebenwirkungsam. D. h. 2-3 Stunden nach der morgendlichen Einnahme fühle ich mich leicht benebelt, wobei das mitunter nicht nur unangenehm ist, denn es löst kleine Räusche aus wie damals unter Haschisch. Gelegentlich verspüre ich sekundenkurze Euphorieschübe. Nach der Abendeinnahme merke ich fast gar nichts, außer dass ich so schnell einschlafe wie eine Bäuerin zur Erntezeit. Die psychogenen Nebenwirkungen sollen nach einiger Zeit nachlassen. Und die Angst. Wobei ich ja keine Angst habe. Jedenfalls wüsste ich nicht wovor. Nur einzig vor dem Symptom. Das ist in den vergangenen Monaten so mächtig geworden, dass ich mir nicht einmal mehr um etwas Sorgen machen kann. Nur um meine Atmung und um meinen Brustkorb. Natürlich sind alle organischen Werte in Ordnung. Nicht nur das: Ich bin überall im Idealbereich. Eine kerngesunde Anousch.

Dieses Wochenende hatte ich "therapeutischen Urlaub" und der verlief besser, als befürchtet. Es gibt z.Z. zwei Welten: Die behütete hier drinnen, inmitten von Menschen, denen es genauso geht (oftmals noch weitaus schlimmer) und die da draußen, eine Welt voller Trigger. Der Chauffeur kam aus Berlin und ich habe ihm die Topographie meiner Jugend gezeigt: mittelalterliches Gemäuer, Kopfstein gepflasterte Gässchen, sakrale Räume.

Dazu und zu den Hauptattraktionen meines Anstalts-Aufenthaltes ab morgen und dann täglich mehr. In acht Stunden weckt uns die fröhliche Stimme der Schwester und dann gibt es Frühsport - was mir wirklich Spaß macht.

Die Anstalt S. Freud Therapietafel_6.10.08 Therapietafel_9.10.08 Freud erneut Kapelle

['Sportspiele' meint Tai-Chi ]

26
Sep
2008

Das Leben ist kein Ponyhof

Heute vor einem Jahr ging Anousch aus Frust online. Ein Jahr später ist sie schon einen Schritt weiter, nämlich ab Montag hier. Am Mittwoch hatte ich (dank Mamas Einsatz) ein Einweisungsgespräch beim Chef persönlich. Diese verfluchte BlogsuchtKobolderei. Zwei bis drei Wochen stationärer Therapie seien das absolute Minimum. Das einzige aber, das mir den Aufenthalt in der Salpêtrière schon vorzeitig verleidet, ist die Tatsache, dass es dort keine PCs und kein Netz gibt. Über einen Klapprechner verfüge ich nicht und so werde ich mich wohl hin und wieder in die Bibliothek der benachbarten Universität stehlen müssen. Und ansonsten mal wieder mit Griffel auf Papier schreiben. (Momentan vom schwesterlichen PC in Leipzig, später wieder Netz-los in Erfurt).

Die Jubiläumsfeier holen wir nach! Unvergessen, die Nacht auf dem Zauberberg, Anouschs Promotion zur Luftschifferin oder die Schlägerei im Atelier.

Bleiben Sie mir gewogen!

Ihnen allen herzlich zugeneigt,
Anousch

23
Sep
2008

Off topic (3)

herderkirche

Anousch in Weimar/Wimare am MacBook meiner kleinen Schwester.
Ich verzweifle an dieser Haptik. Alles ist anders. (Sowieso).
Morgen Erfurt. Und gänzlich ohne Rechner. Mehr demnächst.

21
Sep
2008

Zofe werden

Spitze

Kaum haderte ich noch, zu welchem Beruf ich mich künftig ausbilden lassen sollte - ob zur Flexografin, Tapisseristin oder Diamantenschleiferin - da stieß mich eine glückliche Fügung zu meiner wahren Berufung: zum Zofe sein.
Endlich eine Erwerbstätigkeit, für die Anousch nicht nur alle Voraussetzungen erfüllt, sondern bei der meine wirklich herausragenden Qualitäten eine überfällige Wertschätzung erfahren werden. Denn insbesondere Sanftmut, Güte, Bescheidenheit waren weder in Redaktionen noch Agenturen bislang gefordert, gar erwünscht.

Unnötig zu erwähnen, dass mir der Aufgabenbereich Jagdgesellschafterin außerordentlich gefällt.

Zofe werden, Waidwunder erleben.

16
Sep
2008

Waidwund

schnueren

schnuerung

"Als Fährte bezeichnet man im eigentlichen Sinne nur die auf dem Erdboden hinterlassenen 'Fußabdrücke' (der Jäger spricht von Bodenverwundung) des Schalenwilds. Bei allen anderen Wildarten spricht man von Spur oder Geläuf."

Die Gangart des Fuchses jedoch nennt man Schnüren.

Kommt ihm der Jäger auf die Spur, ist der Fuchs in Gefahr, schnürt der Gefährte das Korsett zu eng, die Dame.

14
Sep
2008

Bitte berühren

Anousch

Selbstportrait

1267x1098 cm

The Burning Archives

Ilfochrom/0108

1.700 €



[comments off]

11
Sep
2008

Perlen akademischer Prosa (I)

Titelblatt_1

Die jüngsten Seeabenteuer des hermetischen Cafetiers haben mich daran erinnert, dass Anousch vor Zeiten einmal Theoretikerin der nautischen Metaphorik gewesen ist.

Um meiner hochgeschätzten Leserschaft mehr zu bieten als Tränen-und Trinkgeschichten, werden hier in loser Folge Auszüge aus meinem nicht sonderlich umfangreichen, aber unterhaltsamen akademischen Werk präsentiert.

Und auch: Damit nicht alles vergebens war.

Im Sommersemester 2004 verfasste Anousch am philosophischen Seminar der Freien Universität zu Berlin eine Hausarbeit unter dem Titel: "Raumschifffahrten. Kosmos und Meer als Paradigmen in Hans Blumenbergs Metaphorologie". Hieraus ein Auszug. Ich bitte zu entschuldigen, dass die Fußnoten nicht mit übernommen werden konnten. Wer weiß, wie es geht, gebe mir ein Zeichen. Vielen Dank!
___________________________________________________________

DIE TRANSZENDENTE TRIBÜNE

II. Schiffbruch mit Zuschauer
a. Entlastung von der absoluten Metapher?


Vielleicht weil Philosophen, Hans Blumenberg zufolge, notorische Nichtschwimmer sind, haben sie meistens die sichere Position am Ufer bevorzugt, um dem offenen Meer philosophische Erkenntnisse abzutrotzen. Und wenn sie tatsächlich den Schritt aufs Schiff wagten, sind die wenigsten von ihnen so recht glücklich geworden. Kant plagte während seines einzigen Seegangs die Seekrankheit, Goethe und Nietzsche hatten das Pech der Flaute und Heidegger wurde auf seiner Griechenlandreise gleich dreifach geschlagen: Zunächst fürchtete er die Unternehmung so sehr, dass sie überhaupt erst im wiederholten Anlauf klappte, dann grämte ihn sein Status als Pauschaltourist und schließlich verweigerte er den Landgang aus Sorge um sein spirituelles Gleichgewicht angesichts der möglichen Enttäuschung, dass seine Anblicke der Landschaft mit den Beschreibungen in der homerischen Dichtung nicht zusammenstimmen könnten. weiter...

10
Sep
2008

Myriadenmaschinchen

That concerns all and nobody.

ps: Spürt Ihr schon was?

8
Sep
2008

Der Himmel über Neukölln

Der Himmel über Neukölln_7.Sept.08

Und das Gastmahl darunter:

Raubfisch auf Tisch Whisky Lippen an Lippen

Der Chauffeur hatte die Nachbarschaft geladen und Wolfsbarsch, Dorade und Lachsforelle aufgetischt. Manche Nachbarn kamen mit Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern. Und die, die keine Brut zu versorgen hatten, blieben bis in die Morgenstunden und konnten die Geschichte vom Highland Eagle erfahren. Einem schnöden Scotch, der nach Weinbrandbohne schmeckt, und dennoch innig geliebt wird, seit wir ihn auf der Fähre nach Norwegen an Kindes Statt angenommen haben. Der Favorit, der fassstarke (!) Laphroaig, sollte ursprünglich mit norwegischem Gebirgswasser goutierbar gemacht werden, war aber unbegreiflicher Weise in Berlin zurückgelassen worden wie damals Kevin allein zu Haus.

Je tiefer die Nacht...

6
Sep
2008

Night on Earth

Eigentlich wollte ich gestern Abend nicht mehr das Haus verlassen, nachdem ich den Vollstreckungsbescheid aus dem Briefkasten gefischt hatte. Leider hat sich die Bundesagentur für Arbeit auf meinen konstruktiven Deal, das Betriebskostenplus vom vergangenen Jahr dann zurückzuzahlen, wenn ich dereinst einen bezahlten Job habe, nicht eingelassen. Anstatt jedoch auf das Schreiben zu antworten, droht sie nun gleich mit Bombenkrieg und jagt mir das Hauptzollamt Berlin im Namen der Sachbearbeiter Küchler/Draht/Uhlmann auf den Hals. Sie kündigen an, ohne Ankündigung:
  • bei meinem Arbeitgeber den pfändbaren Teil meines Arbeitseinkommens zu pfänden (vergebene Liebesmüh)
  • bei meiner Bank das Konto zu pfänden (ibid.)
  • mir gehörende bewegliche Sachen, z.B. Kraftfahrzeug, Geräte der Unterhaltungselektronik pfänden zu lassen (habe nicht mal einen Führerschein, aber eine Kamera. Oh, Schreck!)
Ich war also geknickt. Doch Mama hat telefonisch getröstet. Das kriegen wir schon hin. *Danke, Kuss.*
Ich würde es ja aus rein anthropologischem Interesse darauf an kommen lassen. Wobei ich nicht glaube, dass die Vollstrecker tatsächlich hier aufkreuzen. Der Einsatz würde dem deutschen Steuerzahler weitaus mehr kosten, als das Theater wert ist. Aber am Ende tragen sie doch was aus meiner Wohnung raus und dann verliere ich bestimmt die Nerven und irgendwo liegt noch ein Revolver hier rum. Außerdem würde es mir um die Vollstreckungsbeamten hinterher leid tun. Vielleicht wäre der gute Mensch dabei, der kürzlich dem Dichter ANH einen Besuch abgestattet hat.

Mama war es schließlich auch, die mich ermunterte, doch noch etwas zu unternehmen. Kind, du musst raus gehen. Also zog ich mit Freundin J. und dem kleinen Kobold Angst, meinen unerwünschten Dauerbegleiter, ins Löwenpalais. Schon während der Rheingold-Performance, allerspätestens aber als Two Men in Black aufspielten, war der Kobold verschwunden. (Jetzt kauert er zwar wieder neben mir, aber er sieht ein wenig fahl aus, vermutlich ahnt er, dass ihm demnächst mit einer psychopharmakologischen Kur der Garaus bereitet wird.)
Und solange es noch nächtliche Heiratsanträge gibt... Der Rest ist Schweigen.

Auf dem Heimweg mit J. im Renger-Patzsch vorbeigeschaut. Cremant aufs Haus. Ich hasse alles, was perlt (und alles was qualmt und pudert). Für mich um diese Tageszeit bitte immer und ausschließlich Whisky. Danke.

3
Sep
2008

Für immer.

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Damals, vor drei Jahren oder dreißig, konnte man in Masuren noch Mohnblumen pflücken, sie mit einer etwas zu kindlichen Geste in ein Notizbuch legen, und denken, dass das immer so weitergeht: die Räusche der Selbstgenügsamkeit und die Exzesse der Erwartungslust.

***

Man darf sein Herbarium nicht vernachlässigen.
Ich möchte werden, die ich war.
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Terra Euphorica

Das Frühwerk

(*)

Nach Ithaka heimzukehren, dabei ist es geblieben, erfordert und verlohnt den weitesten Umweg. Hans Blumenberg

___Zwitschern___

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* * *

You are The Empress

Beauty, happiness, pleasure, success, luxury, dissipation.

The Empress is associated with Venus, the feminine planet, so it represents, beauty, charm, pleasure, luxury, and delight. You may be good at home decorating, art or anything to do with making things beautiful.

The Empress is a creator, be it creation of life, of romance, of art or business. While the Magician is the primal spark, the idea made real, and the High Priestess is the one who gives the idea a form, the Empress is the womb where it gestates and grows till it is ready to be born. This is why her symbol is Venus, goddess of beautiful things as well as love. Even so, the Empress is more Demeter, goddess of abundance, then sensual Venus. She is the giver of Earthly gifts, yet at the same time, she can, in anger withhold, as Demeter did when her daughter, Persephone, was kidnapped. In fury and grief, she kept the Earth barren till her child was returned to her.

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