Lasst uns Wolframfäden spinnen
Unsere emotionale Stabilität ist an die Glühbirne gebunden.
Seit Jahren versuche ich vergeblich mein ökologisches Gewissen mit dem Einsatz von Energiesparlampen zu beruhigen. Aber noch nie habe ich das feindliche Leuchten länger als fünf Minuten ertragen und noch immer habe ich ruckzuck wieder eine traditionelle Glühbirne in die Fassung geschraubt. Augenblicklich ist es wieder da: das Glück und die Seligkeit, so als würde mit dem Glimmen der Glühfäden das Urvertrauen in uns hinein wärmen. Eine Glühbirne ist schon der Form wegen Mamma und Uterus zugleich. Wie aber sollen sich die Körper finden, wenn um uns nur noch neonweißen Gleißen ist?
Nein, wir können das archaische Erbe nicht abtöten. In uns flackert noch das Höhlenfeuer.
Und hier ein wunderbares Plädoyer für die Glühbirne.
Ihr fest entschlossener
Albert
Mehr Licht! waren die letzten Worte Goethes, es sollen nun aber unsere Ersten sein!
Zu allem bereit,
Ihre Anousch
PS: Der link linkt nicht mehr richtig, aber da Goethe in einem Sessel verstorben ist, wollte er gerade den urhessischen Satz formulieren: "Mer liecht hier so schlecht" als ihn nach den ersten beiden Worten der Tod ereilte...
DAS ZWEIFELNDE UND DAS NICHTZWEIFELNDE, soll Goethe als VORletztes gesagt haben. Also einen wittgensteinschen Satz. Und kurz darauf jene zwei Wörter, die seine berühmtesten sind: MEHR LICHT! Aber tatsächlich hat Goethe als Letztes nicht MEHR LICHT, sondern MEHR NICHT! gesagt. Nur Riemer und ich - und Kräuter - waren dabei anwesend. Wir, Riemer, Kräuter und ich einigten uns darauf, der Welt mitzuteilen, Goethe habe MEHR LICHT gesagt als Letztes und nicht MEHR NICHT! An dieser Lüge als Verfälschung leide ich, nachdem Riemer und Kräuter längst daran gestorben sind, noch heute.
(Im Februar nächsten Jahres ist T. B. schon zwanzig Jahre tot.)

@gregor
ABER.
Mein eigenes Verhältnis zur Glühbirne ist ein sachliches, so, wie zur Halogenleuchte, die ich vorziehe, weil meine Augen zunehmend schlecht werden insbesondere in der Ausnutzung von Licht - es muß um mich immer heller werden. Freilich habe ich jegliche Form von flackerndem Gedämmer, nach meinen pubertären Geheimnisphasen, immer gemieden. An den Sparlampen stört mich, daß sie nicht s o f o r t hell sind, sonst eher nichts.
Geklagt wurde immer viel, aber in Zukunft werden wir dabei ziemlich fahl aussehen.
[Die Kerze war ja nie weg, und doch wird sie eine Renaissance sondergleichen erleben.]
Lichterketten

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