Re-Reading Klopstock
Beim Lesen der Oden, Elegien und des Messias' wird mir dunkel bewusst, warum er nie zu denen gehörte, die ich mit auf die Insel nehmen würde. Warum? Ich glaube, es liegt in der Unterscheidung von Poetologie und Poesie. Klopstock war vor allem ein poetologischer Poet. Ein Jünger der Form, im Dichten sich seiner Programmatik allzu bewusst. Das zielt in den Kopf, aber trifft nicht wie ein Schuss in die Magengrube. Doch noch bin ich auf der Suche nach dem - so ist das bei uns Weibern - angeblich zärtlichen Klopstock.
Mit Th. Pynchon zum Beispiel mag es sich analog verhalten. Man ist geneigt sich zu verbeugen vor Fleiß, Intelligenz, Form und Stilistik, man weiß den ästhetischen Mehrwert zu schätzen; man beobachtet den Künstler beim Ziehen aller Register. Und ist am Ende doch glücklich, zu Nabokovs Ada oder das Verlangen heimkehren zu können.
Zu Thomas Pynchon und Ada.
Daß wiederum Ada zu den wahrscheinlich bedeutendsten Romanen- j e gehört, darüber finden sich dann die Geschlechter. Das Buch ist kein Roman, sondern ein Wunder, wie auch Aragons "Blanche".
[Zu Pynchon hab ich 2001 für den Deutschlandfunk ein Poetisches Feature geschrieben und produziert, von dem ich Ihnen bei Interesse gern eine CD-Kopie fertige. Geben Sie mir ggbf. über >>>> das Kontaktformular auf der fiktionären Website Bescheid.]
Pynchon ist immer dann tröstlich, wenn man mal wieder an der ansonstigen (epischen und rhetorischen) Flachheit vieler seiner (v.a. deutschen) Kollegen leidet.
@tinius.
@tinius
In Originalausgaben lese ich eigentlich nur, wenn ich ein fremdsprachiges (englisches/amerikanisches) Buch sehr liebe. Gewissermaßen, um dem Werk näher zu sein.
Schon allein manche Originaltitel strahlen mit 100.000 Lux (was einem hellen Sonnentag entspricht).
Gravity's Rainbow
Ada or Ardor
The Sound and the Fury
@nikolaialbanherbst : ich befürchte das auch. Pynchon, Joyce gehören eindeutig zu den Autoren, die mein Englisch heftigst überfordern werden / würden. Mindestens implizierte Subtexte und Metaebenen müßten mir verlorengehen (allerdings ahne ich auch, daß dies bei Pynchon auch in der Übersetzung der Fall wäre). In der Regel kann ich die Qualität von Übersetzungen kaum einschätzen, denn zumeist kenne ich jeweils nur eine Ausgabe, aber man kann sie erahnen oder als Eigenes würdigen und schätzen. Oder das Gegenteil, wenn die Fehler schon beim ausschließlichen Lesen der Übersetzung ins Auge stechen - es ist immer wieder recht erheiternd, englische Satzkonstruktionen, die im Deutschen eher ungebräuchlich bis schlicht falsch sind, in solchen Arbeiten anzutreffen. ;)
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