31
Okt
2007

Re-Reading Klopstock

Abschlussprüfungshalber beschäftige ich mich nach Jahren wieder mit Friedrich Gottlieb Klopstock (Empfindsamkeit, Affekttheorie etc).
Beim Lesen der Oden, Elegien und des Messias' wird mir dunkel bewusst, warum er nie zu denen gehörte, die ich mit auf die Insel nehmen würde. Warum? Ich glaube, es liegt in der Unterscheidung von Poetologie und Poesie. Klopstock war vor allem ein poetologischer Poet. Ein Jünger der Form, im Dichten sich seiner Programmatik allzu bewusst. Das zielt in den Kopf, aber trifft nicht wie ein Schuss in die Magengrube. Doch noch bin ich auf der Suche nach dem - so ist das bei uns Weibern - angeblich zärtlichen Klopstock.

Mit Th. Pynchon zum Beispiel mag es sich analog verhalten. Man ist geneigt sich zu verbeugen vor Fleiß, Intelligenz, Form und Stilistik, man weiß den ästhetischen Mehrwert zu schätzen; man beobachtet den Künstler beim Ziehen aller Register. Und ist am Ende doch glücklich, zu Nabokovs Ada oder das Verlangen heimkehren zu können.

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albannikolaiherbst - 1. Nov, 08:59

Zu Thomas Pynchon und Ada.

V. und Gravity's Rainbow sind von derselben poetischen Valenz wie Ada und strahlen auch ganz dieselbe poetische Kraft aus - jedenfalls auf mich. Allerdings habe ich den Verdacht, daß jedenfalls diese beiden Romane Pynchons tatsächlich auf einer männliche Poetik fußen. Fast alle mir nahen Frauen sind gerade mit der gerichteten Unerbittlichkeit der beiden Bücher nicht zurandegekommen: Sie sahen die Qualität durchaus, aber wurden nicht berührt, oder gar das Technische, das ja eben auch ihr T h e m a ist, stieß sie ab. Umgekehrt scheint es einige Männer zu geben, zum Beispiel mich, auf die etwa die Recherche überhaupt nicht wirkt, unabhängig davon, daß ich sehr wohl ihre große Qualität erkenne. Gleichsam bewundere ich sie unbetroffen.

Daß wiederum Ada zu den wahrscheinlich bedeutendsten Romanen- j e gehört, darüber finden sich dann die Geschlechter. Das Buch ist kein Roman, sondern ein Wunder, wie auch Aragons "Blanche".

[Zu Pynchon hab ich 2001 für den Deutschlandfunk ein Poetisches Feature geschrieben und produziert, von dem ich Ihnen bei Interesse gern eine CD-Kopie fertige. Geben Sie mir ggbf. über >>>> das Kontaktformular auf der fiktionären Website Bescheid.]


Anousch O. - 1. Nov, 12:13

Ich kann Ihnen in jedem Punkt zustimmen.

Pynchon ist immer dann tröstlich, wenn man mal wieder an der ansonstigen (epischen und rhetorischen) Flachheit vieler seiner (v.a. deutschen) Kollegen leidet.
tinius - 1. Nov, 12:50

Darf ich mich als jemand outen, der Pynchon nicht verstanden zu haben glaubt und eben deswegen recht wenig Genuß empfinden konnte (während die "Recherche" mich denn doch sehr viel mehr ansprach) ? Was mich allerdings dazu getrieben hat, mir "Against the Day" im englischen Original zu kaufen - außer die äußerst günstigen Beschaffungskosten - weiß der Teufel. Mag aber sein, daß ich hoff(t)e, das Erarbeiten eines fremdsprachlichen Textes würde das Lesen gleich gründlicher und damit das Verstehen leichter machen.

albannikolaiherbst - 1. Nov, 14:28

@tinius.

Nein, das war nicht klug, Pynchon als nicht-Muttersprachler lesen zu wollen, wenn selbst seine gebildeten Landesgenossen an seiner Sprache gescheitert sind. Ich hab's mit Gravity's Rainbow versucht - und aufgegeben. Jelineks und Pilz' Übersetzung entschädigen aber mehr, als jede Entschädigung könnte. Imgrunde ist es eine Nachdichtung; ich glaube unterdessen, daß Übersetzung bei Sprach-K u n s t-Werken gar nicht möglich ist, weil die Sprachen jede in sich Bedeutungshöfe um Wörter strahlen lassen, die je ganz eigene sind. Wir haben ja manchmal schon mit den Kunstwerken der eigenen Sprache Probleme, um immer und immer wieder an >>>> Marianne Fritz zu erinnern.
Anousch O. - 3. Nov, 23:01

@tinius

Pynchons Mason & Dixon wäre vielleicht noch einen Versuch wert; geradezu vergnüglich.
In Originalausgaben lese ich eigentlich nur, wenn ich ein fremdsprachiges (englisches/amerikanisches) Buch sehr liebe. Gewissermaßen, um dem Werk näher zu sein.

Schon allein manche Originaltitel strahlen mit 100.000 Lux (was einem hellen Sonnentag entspricht).

Gravity's Rainbow

Ada or Ardor

The Sound and the Fury
tinius - 4. Nov, 01:04

Ich kese in englischer Sprache vor allem, um einerseits mein Englisch nicht einschlafen zu lassen, andererseits meistens um (erheblich) Geld zu sparen, zum dritten um schneller über bestimmte Bücher verfügen zu können, bzw. Titel zu erwerben, deren Übersetzung nicht unbedingt absehbar ist. Außerdem mag ich durchaus die englische Sprache, insbesondere wenn die betreffenden Autoren sie zu verwenden wissen (etwa Banville in "The Sea"). Das ist eine eindeutige Bereicherung durch das Medium Internet, denn bei den eher rudimentär ausgeprägten Fremdsprachenabteilungen der Buchhandlungen, in denen sich allenfalls Krimis, ein paar Pratchett - Romane und gerade ein paar (unwichtige) Bestseller tummeln, kommt man kaum auf die Idee. Und das Internet hält eben auch viele Anregungen bereit, die in Deutschland nicht wahrgenommen oder kommuniziert würden. Allerdings würde ich das Lesen von Übersetzungen nicht aufgeben wollen, da die Original - Lektüre doch immer einen höheren Zeitaufwand abnötigt und meine Lebenszeit zusehends schwindet, während meine Bücherlager nichtproportional wachsen. ;)
@nikolaialbanherbst : ich befürchte das auch. Pynchon, Joyce gehören eindeutig zu den Autoren, die mein Englisch heftigst überfordern werden / würden. Mindestens implizierte Subtexte und Metaebenen müßten mir verlorengehen (allerdings ahne ich auch, daß dies bei Pynchon auch in der Übersetzung der Fall wäre). In der Regel kann ich die Qualität von Übersetzungen kaum einschätzen, denn zumeist kenne ich jeweils nur eine Ausgabe, aber man kann sie erahnen oder als Eigenes würdigen und schätzen. Oder das Gegenteil, wenn die Fehler schon beim ausschließlichen Lesen der Übersetzung ins Auge stechen - es ist immer wieder recht erheiternd, englische Satzkonstruktionen, die im Deutschen eher ungebräuchlich bis schlicht falsch sind, in solchen Arbeiten anzutreffen. ;)

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