17
Dez
2008

Lasst uns Wolframfäden spinnen

Unsere emotionale Stabilität ist an die Glühbirne gebunden.

Ingo Maurer

Seit Jahren versuche ich vergeblich mein ökologisches Gewissen mit dem Einsatz von Energiesparlampen zu beruhigen. Aber noch nie habe ich das feindliche Leuchten länger als fünf Minuten ertragen und noch immer habe ich ruckzuck wieder eine traditionelle Glühbirne in die Fassung geschraubt. Augenblicklich ist es wieder da: das Glück und die Seligkeit, so als würde mit dem Glimmen der Glühfäden das Urvertrauen in uns hinein wärmen. Eine Glühbirne ist schon der Form wegen Mamma und Uterus zugleich. Wie aber sollen sich die Körper finden, wenn um uns nur noch neonweißen Gleißen ist?
Nein, wir können das archaische Erbe nicht abtöten. In uns flackert noch das Höhlenfeuer.

Und hier ein wunderbares Plädoyer für die Glühbirne. 

16
Dez
2008

Zizou

Eben eine außergewöhnliche Doku auf ARTE gesehen. Neunzig Minuten die Kameras nur auf Zidane, keine Sprecher, nur Untertitel aus Zidane-Zitaten, Stadiongeräusche, Musik, Stille. Zidane ist ja der heimliche Mann meines Lebens.
Man spricht davon, jemand spiele wie ein junger Gott. Zidane aber wirkte immer wie ein alter Gott. Neunzig Minuten für die Ewigkeit, neunzig Minuten Kampf, Vergeblichkeit und Triumph.
Manchmal läuft man auf das Spielfeld ein und hat das Gefühl, alles sei schon entschieden. Als sei man machtlos. Als sei das Drehbuch bereits geschrieben.
Neunzig Minuten Konzentration und Körperlichkeit. Neunzig Minuten Meditation, Mystik und Ekstase. Und am Ende dann der jähe Umschlag des mönchischen Zidane in den thymotischen Zidane: Gerangel, Ausraster, rote Karte. Wenn der alte Gott vom Spielfeld ging, drehte sich die Welt nur noch in Zeitlupe.
Manchmal ist es nicht sehr viel, was die Magie ausmacht. - Eigentlich fast gar nichts.

15
Dez
2008

Stefan

... war der Vorname von Derrick. Ein Stefan ist eigentlich mit ewiger Jovialität geschlagen und Derrick sah ja schon immer so alt aus, wie er jetzt geworden ist.
Und dann fiel mir noch ein, dass wir in der Schulzeit sagten: 'Horst tappert im Dunkeln'.

12
Dez
2008

Origami

Nach einer japanischen Legende bekommt derjenige, der 1000 Origami-Kraniche faltet, von den Göttern einen Wunsch erfüllt. Ich fange dann mal an.

 

Edit:

 Kranich An meinem ersten Kranich bin ich fast verzweifelt. Jetzt weiß ich auch, warum für 1000 so ein hoher Preis ausgelobt wird. In diesem Kranich steckt viel Herzblut und ich widme ihn jemandem.

10
Dez
2008

Funkelnder Schmuck

Goldgeschenk

Weil ich Papier und Tiere mag, schenkte die kleine Schwester ein Origami, und weil es Tradition ist, die mittlere Schwester das Geschmeide, und weil sie will, dass es mir gut geht, Mama ein Handbuch der lustvollen Lebensgestaltung. (Das im Regal gleich neben dem Cicerone seinen Platz finden wird.)
Und weil ich es ihm wert bin, gabs vom Chauffeur einen Diamanten. Ich Glückliche!

8
Dez
2008

Schützenfest

(Mir zum heutigen Tag ins Posiealbum)


Bin nun eine Häsin.
Kein Häschen mehr.

6
Dez
2008

Königlicher Palast

Joseph
Joseph1
Den weltschönsten Beruf, den man derzeit haben kann, ist Wächter im Königlichen Palast.
Gestern bei Joseph. Vorher allerdings bei Horst zum Interview, daher hatten meine kleine Schwester und ich nur knapp zwei Stunden Zeit für den Kojoten. Ganz viel, ganz voll und leider ganz laut. Mir wäre lieber gewesen, sie hätten statt tausender Lautsprecher das stumme Grammophon angestellt. Auch in den Königlichen Palast drang das Gelärm, und dennoch war - mit den Worten des Meisters - sowohl das Feierliche der Selbstbestimmung des eigenen Lebens und der eigenen Gesten als auch die Bescheidenheit unserer Handlungen und unserer Arbeit in jedem Augenblick zu spüren wie Elektrizität. Daher fürchtete ich den Plastik-Schock, denn in einem Seitenarm der Rieckhalle hängt Warhols Celebrities-Shit an den Wänden und irgendwie mussten wir da noch durch für das obligatorische Museumstoilettenspiegelfoto. Da sagte die Kleine ganz ernst: "Schau am besten gar nicht hin."
Wir haben Joseph und Anselm. Die Amis Andy und Roy. Punkt für uns in diesem Fall.
Bezieherinnen von Transferleistungen können übrigens unentgeltlich in staatliche Museen und Königliche Paläste und ich muss da nochmal hin. Unbedingt.

30
Nov
2008

Spätes Licht

Huwenowsee_30.11.08

Feld

Mondsichel

Huwenowsee bei Meseberg 30. November 2008. Unretuschiert.

Der Vorteil einer Adventsnacht, in der der Chauffeur bis vier Uhr von seinen Reisen nach Anatolien, Indien und Ägypten erzählt und man danach nicht einschlafen kann, weil man sein Fernweh überprüft, darüber solchen Hunger bekommt, dass man sich um halb sechs ein kleines Frühstück bereitet, man schließlich nach dem Morgengrauen einschläft und einen die Schwester um zwölf Uhr mittags aus einem Traum telefoniert, in dem man mit einem befreundeten Lektor ganz ernsthaft und überhaupt nicht surreal über das Werk eines befreundeten Schriftstellers redete, ist, dass wenn man schließlich um vierzehn Uhr aufbricht, man in schwindendes Licht hinein fährt und in einer sepia-violett-blaugetönten Landschaft spazieren geht, in der die restlos entlaubten Bäume nur mehr Scherenschnitte in einer Welt sind, die verlassener selten war, und selten schöner.

28
Nov
2008

Beflügelung II

Flügelchen-1

Man wird ja anspruchsvoller mit den Jahren.

25
Nov
2008

Beflügelung

Abreißkalender

Der Abreißkalender ist eine Konstante in meinem von Konstanten zugemauerten Leben. Und er hängt wie ein stummer Vorwurf an meiner Küchenwand. So als würde ich Tag für Tag mit den Zettelchen auch meine Wünsche und Visionen entfernen. Aber ich kann nicht sagen, dass ich jemals freudlos die Blättchen abgerissen hätte. Es sind 365 winzig kleine Überraschungen, strukturiert durch die Rubriken 'Gedenktag der Woche', 'Küchengeschichten', 'Sachen zum Lachen', 'Für den Gartenfreund' und meiner absoluten Lieblingsrubrik 'Wörter unter der Lupe'.
In der großmütterlichen Küche gab es auch einen Abreißkalender und so ist es heute, als hätte ich mit der Fortführung dieser Tradition etwas hinübergerettet vom Utopos meiner Kindheit in die taube Erwachsenenwirklichkeit.

Und dann gibt es manchmal Verse, die mich die "Trostmacht des Gedichtes" (Hans Blumenberg) spüren lassen:

Beflügelung

Wer traurig ist, des Glückes fern,
verzagt und ohne Mut,
der musizier', schreib ein Gedicht
und schon wird alles gut.

Oskar Stock

21
Nov
2008

Happy Birthday!

[Abt. 'Für die Karte war es heute ja mal wieder zu spät']

Lieber Rudi,

zu Deinem halbrunden Geburtstag habe ich weder Kosten noch Mühen gescheut.

Bleib gesund und fröhlich,

alles Liebe,
Anousch

20
Nov
2008

Haut an Haut

Auffallend, meine heutigen Kommentare sind fast ausschließlich Reflexionen zum Thema Haut an Haut. Und ich bin nicht die Einzige, die diesbezüglich offenbart, bekennt und wünscht.
Und irgendwie scheint es (zum Glück) nicht die Zeit für komplizierte Theorien zum Geschlechterkampf.

Es wird Winter.
Wir wollen uns halten und nah sein.

18
Nov
2008

Zugfenster

Frau, radelt von Seitschen
die Bitumenstraße nach Demitz-Thumitz hinunter.
Frau, radelt umgekehrt dieselbe hinauf.

Elke Erb


Ich hatte schon geglaubt, dieser Tag hielte so gar nichts Erheiterndes für mich parat, da stieß ich kurz vor 22 Uhr auf dieses kleine Gedicht der großartigen Elke Erb. Ich habe sie und eine Horde anderer deutscher Dichter mal nach Sylt begleitet; im April 2005, woran mich die Widmung im Gedichtband 'Gänsesommer' nun wieder erinnerte. Schön.

17
Nov
2008

Licht und Laub dieses Tages (II)

Licht Laub

[Blick aus einem Fenster der Charité - Klinik für Psychiatrie 17. November 2008]

...

Ich habe mich entschieden.
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Das Frühwerk

(*)

Nach Ithaka heimzukehren, dabei ist es geblieben, erfordert und verlohnt den weitesten Umweg. Hans Blumenberg

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You are The Empress

Beauty, happiness, pleasure, success, luxury, dissipation.

The Empress is associated with Venus, the feminine planet, so it represents, beauty, charm, pleasure, luxury, and delight. You may be good at home decorating, art or anything to do with making things beautiful.

The Empress is a creator, be it creation of life, of romance, of art or business. While the Magician is the primal spark, the idea made real, and the High Priestess is the one who gives the idea a form, the Empress is the womb where it gestates and grows till it is ready to be born. This is why her symbol is Venus, goddess of beautiful things as well as love. Even so, the Empress is more Demeter, goddess of abundance, then sensual Venus. She is the giver of Earthly gifts, yet at the same time, she can, in anger withhold, as Demeter did when her daughter, Persephone, was kidnapped. In fury and grief, she kept the Earth barren till her child was returned to her.

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