14
Sep
2008
11
Sep
2008
Perlen akademischer Prosa (I)

Die jüngsten Seeabenteuer des hermetischen Cafetiers haben mich daran erinnert, dass Anousch vor Zeiten einmal Theoretikerin der nautischen Metaphorik gewesen ist.
Um meiner hochgeschätzten Leserschaft mehr zu bieten als Tränen-und Trinkgeschichten, werden hier in loser Folge Auszüge aus meinem nicht sonderlich umfangreichen, aber unterhaltsamen akademischen Werk präsentiert.
Und auch: Damit nicht alles vergebens war.
Im Sommersemester 2004 verfasste Anousch am philosophischen Seminar der Freien Universität zu Berlin eine Hausarbeit unter dem Titel: "Raumschifffahrten. Kosmos und Meer als Paradigmen in Hans Blumenbergs Metaphorologie". Hieraus ein Auszug. Ich bitte zu entschuldigen, dass die Fußnoten nicht mit übernommen werden konnten. Wer weiß, wie es geht, gebe mir ein Zeichen. Vielen Dank!
___________________________________________________________
DIE TRANSZENDENTE TRIBÜNE
II. Schiffbruch mit Zuschauer
a. Entlastung von der absoluten Metapher?
Vielleicht weil Philosophen, Hans Blumenberg zufolge, notorische Nichtschwimmer sind, haben sie meistens die sichere Position am Ufer bevorzugt, um dem offenen Meer philosophische Erkenntnisse abzutrotzen. Und wenn sie tatsächlich den Schritt aufs Schiff wagten, sind die wenigsten von ihnen so recht glücklich geworden. Kant plagte während seines einzigen Seegangs die Seekrankheit, Goethe und Nietzsche hatten das Pech der Flaute und Heidegger wurde auf seiner Griechenlandreise gleich dreifach geschlagen: Zunächst fürchtete er die Unternehmung so sehr, dass sie überhaupt erst im wiederholten Anlauf klappte, dann grämte ihn sein Status als Pauschaltourist und schließlich verweigerte er den Landgang aus Sorge um sein spirituelles Gleichgewicht angesichts der möglichen Enttäuschung, dass seine Anblicke der Landschaft mit den Beschreibungen in der homerischen Dichtung nicht zusammenstimmen könnten. weiter...
10
Sep
2008
8
Sep
2008
Der Himmel über Neukölln

Und das Gastmahl darunter:

Der Chauffeur hatte die Nachbarschaft geladen und Wolfsbarsch, Dorade und Lachsforelle aufgetischt. Manche Nachbarn kamen mit Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern. Und die, die keine Brut zu versorgen hatten, blieben bis in die Morgenstunden und konnten die Geschichte vom Highland Eagle erfahren. Einem schnöden Scotch, der nach Weinbrandbohne schmeckt, und dennoch innig geliebt wird, seit wir ihn auf der Fähre nach Norwegen an Kindes Statt angenommen haben. Der Favorit, der fassstarke (!) Laphroaig, sollte ursprünglich mit norwegischem Gebirgswasser goutierbar gemacht werden, war aber unbegreiflicher Weise in Berlin zurückgelassen worden wie damals Kevin allein zu Haus.
Je tiefer die Nacht...
6
Sep
2008
Night on Earth
- bei meinem Arbeitgeber den pfändbaren Teil meines Arbeitseinkommens zu pfänden (vergebene Liebesmüh)
- bei meiner Bank das Konto zu pfänden (ibid.)
- mir gehörende bewegliche Sachen, z.B. Kraftfahrzeug, Geräte der Unterhaltungselektronik pfänden zu lassen (habe nicht mal einen Führerschein, aber eine Kamera. Oh, Schreck!)
Ich würde es ja aus rein anthropologischem Interesse darauf an kommen lassen. Wobei ich nicht glaube, dass die Vollstrecker tatsächlich hier aufkreuzen. Der Einsatz würde dem deutschen Steuerzahler weitaus mehr kosten, als das Theater wert ist. Aber am Ende tragen sie doch was aus meiner Wohnung raus und dann verliere ich bestimmt die Nerven und irgendwo liegt noch ein Revolver hier rum. Außerdem würde es mir um die Vollstreckungsbeamten hinterher leid tun. Vielleicht wäre der gute Mensch dabei, der kürzlich dem Dichter ANH einen Besuch abgestattet hat.
Mama war es schließlich auch, die mich ermunterte, doch noch etwas zu unternehmen. Kind, du musst raus gehen. Also zog ich mit Freundin J. und dem kleinen Kobold Angst, meinen unerwünschten Dauerbegleiter, ins Löwenpalais. Schon während der Rheingold-Performance, allerspätestens aber als Two Men in Black aufspielten, war der Kobold verschwunden. (Jetzt kauert er zwar wieder neben mir, aber er sieht ein wenig fahl aus, vermutlich ahnt er, dass ihm demnächst mit einer psychopharmakologischen Kur der Garaus bereitet wird.)
Und solange es noch nächtliche Heiratsanträge gibt... Der Rest ist Schweigen.
Auf dem Heimweg mit J. im Renger-Patzsch vorbeigeschaut. Cremant aufs Haus. Ich hasse alles, was perlt (und alles was qualmt und pudert). Für mich um diese Tageszeit bitte immer und ausschließlich Whisky. Danke.
3
Sep
2008
Für immer.









Damals, vor drei Jahren oder dreißig, konnte man in Masuren noch Mohnblumen pflücken, sie mit einer etwas zu kindlichen Geste in ein Notizbuch legen, und denken, dass das immer so weitergeht: die Räusche der Selbstgenügsamkeit und die Exzesse der Erwartungslust.
***
Man darf sein Herbarium nicht vernachlässigen.
Ich möchte werden, die ich war.
1
Sep
2008
Berlin liegt am Meer

Die Kajaks am Landwehrkanal zu Wasser gelassen. Links und rechts säumen Trauerweiden und anderes Gebäum die Fahrrinne. Die da auf der Kanalmauer sitzen und die bloßen Füße baumeln lassen, lächeln; Kinder rufen aufgeregt und winken sich ihre Ärmchen fast ab. Und selbst arabische Dealer, türkische Gangster und deutsche Alkoholiker heben die Hände zum Gruß.
Es mag an der walbabyartigen Putzigkeit der Luftkajaks liegen. Oder weil die auf dem Wasser immer geschieden sind von denen an Land. (Letztlich ist der Mensch solidarisch.)
An der Schleuse drückt man einen Knopf und eine Stimme meldet sich aus einem fernen Off. Wie ein Orakel verkündigt sie die nächste Schleusung. Dahinter öffnet sich die Spree und fühlt sich ein bisschen wie Hochsee an. Ziemlich groß, wild und wellig. Der innere Kapitän erwacht. Bring dein Boot gut nach Hause!
30
Aug
2008
Off topic (II)
28
Aug
2008
Dem abwesenden Herrn von Goethe zum 259. Geburtstag*
26
Aug
2008
Unser Mann im All
Nicht nur, dass wenige Tage vor dem Start eigenartige senffarbene Wolken aufgetaucht waren und kurz nach dem Überflug des Bermudadreiecks sonderbare blaue Blitze aufleuchteten, nein, nicht genug damit, es boten sich uns auch noch einzigartige Bedingungen für die Polarlichtbeobachtung. Die geheimnisvoll anmutenden Bewegungen dieser grauen Wände, die sich plötzlich zu riesigen Säulen, Bögen und Schleiern formten und sogleich wieder zusammenfielen, erzeugten in mir den Eindruck, überdimensionalen Märchenspielen beizuwohnen.
25
Aug
2008
Luftpost!


[Zum Vergrößern bitte klicken!]
Es sind drei Gläser, die mir unser Freund Albert luftpostalisch hat zukommen lassen (mit dem korrekten Titel auf dem Paket: "Luftsch. Kap.").Sie alle sind nun recht herzlich zu einem Umtrunk eingeladen, auf dass die Gläser reihum wandern.
Die schöne Vorgeschichte zum schönen Geschenk.
Lieber Albert, ich danke Ihnen von ganzem Kapitäninnenherzen und lade Sie zu einem Flug über die Erntefelder meiner nordöstlichen Heimat ein - und wer weiß, wohin der Wind uns weht...
Es grüßt Sie
Ihre Anousch
20
Aug
2008
Animal triste (I)
Wal sucht Mutter Wie ein Staubsauger lutschte er am Boot Das Walbaby hatte sich am 18. August an eine Yacht in der Pittwater Bucht in der Nähe von Sydney geheftet und versucht, an dem Schiff zu saugen. Der Segler Peter Lewis wachte auf, als er Sauggeräusche am Rumpf hörte. „Es klang wie ein riesiger Staubsauger, mit dem jemand versuchte, am Bootsboden zu lutschen”, sagte er dem Radiosender ABC. Es sei ein sehr trauriger Anblick gewesen. Der kleine Wal habe eine Stunde lang an seinem Boot gesaugt. Dann „hörte es sich so an, als habe er geseufzt und hätte verstanden, dass es nicht funktioniert“.
Das ganze Drama.
18
Aug
2008
Tage wie dieser
17
Aug
2008
Agape
Agape (2. v.r., Detail des Brüggemann-Altars aus dem Schleswiger Dom) 16. August 2008
agapao (griech.) bedeutet "sich zufrieden geben mit etwas", aber auch "jemanden mit Achtung behandeln, bevorzugen".






